Bunka - Kultur

Knigge für Japanreisende

Schuhe aus im Haus

Nicht nur in japanisch, sondern auch in westlich eingerichteten Wohnungen halten Japaner an der Regel fest, am Eingang die Schuhe aus- und Slipper anzuziehen. Der Straßendreck wird so nicht ins Haus getragen, und die in manchen Räumen ausgelegten Tatami, die Sie nur auf Socken betreten sollten, werden nicht beschädigt.

Normalerweise stehen für Gäste immer ein Paar Slipper bereit, die im Haus getragen werden können. Diese sind allerdings für japanische Füße gedacht, also Schuhgröße 36-39. Zur Not reichen auch Socken als Fußbekleidung. Mit Tatami ausgelegte Räume sollen ohnehin nur auf Socken oder barfuß betreten werden, da sonst die aus Reisstroh gefertigten Matten leicht Schaden nehmen können. Achten Sie darauf, daß Ihre Socken keine Löcher und Ihre Füße keine Duftwolke haben!

Keine schlechte Idee ist es, bequeme Schuhe anzuziehen, die sich leicht aus- und anziehen lassen. Nicht nur in Wohnungen, sondern auch in Hotels und Tempeln ist es üblich, die Schuhe auszuziehen. Wenn Sie im Winter Tempel besichtigen, ziehen Sie warme Socken an, sonst gibt es kalte Füsse.

Niemals in der Wanne waschen

Die Badewanne gilt in Japan als Ort der Entspannung, nicht der Reinigung. Seife und Shampoo haben in der Wanne nichts zu suchen. Gewaschen wird sich vor der Wanne. Dort ist meist ein Warm- und Kaltwasserhahn mit einer Schüssel, in neueren Häusern gibt es auch eine normale Dusche, sowie ein Hocker und jede Menge Flüssigseife.

Japaner setzen sich auf den Hocker, füllen die Schüssel mit Wasser (oder duschen), und beginnen dann, sich überall gründlich einzuseifen. Nachdem es richtig geschäumt hat, wird alles gründlich abgespült und der ganze Vorgang ein- zweimal wiederholt. Erst danach steigt man in das sehr heiße Wasser (oft über 40 Grad).

Nach dem Bad bleibt das heiße Wasser in der Wanne, um von anderen Leuten benutzt zu werden. Ziehen Sie auf keinen Fall den Stöpsel! Meist haben Sie als Gast die Ehre, zuerst zu baden, danach erst kommt die Familie des Gastgebers. Alle benutzen das gleiche Wasser, daher ist es so wichtig, sich vorher gründlich zu waschen.

Mit Toiletten-Schlappen nur in der Toilette schlappen

In Japan ist es üblich, vor der Toilette spezielle Toiletten-Schlappen bereitzustellen. Bevor Sie die Toilette betreten, schlüpfen Sie aus den Hausschlappen in die Toiletten-Schlappen. Diese haben oft knallige Farben, zum Beispiel giftgrün und eine Aufschrift wie "WC", "00" oder "Toilet". Diese Schlappen gibt es sowohl für japanische Hocktoiletten wie auch für westliche Sitzklos. Vergessen Sie nicht, nach dem Toilettengang die Schlappen wieder zu wechseln!

Stäbchen sind zum Essen, nicht zum Spielen

In Bezug auf Stäbchen sollten Sie folgende Dinge vermeiden. Stecken Sie keinesfalls die Stäbchen aufrecht in den Reis. Auf diese Weise wird den Toten Reis angeboten. Sie sollten mit den Stäbchen auch kein Essen weiterreichen. Bei einem buddhistischen Ritual werden so die Knochen aus der Asche des Verstorbenen an die Hinterbliebenen weitergereicht.

Nur im Stillen schneuzen

Es gilt als sehr unhöflich, sich in aller Öffentlichkeit, womöglich noch lautstark, die Nase zu putzen, auch bei Erkältung. Japaner ziehen daher in Gesellschaft ständig die Nase hoch, in japanischen Augen ein Zeichen bewundernswerter Selbstbeherrschung. Suchen Sie sich möglichst ein stilles Plätzchen, zum Beispiel die Toilette, um Ihre Nase freizubekommen.

Übrigens gehen Japaner so weit, dass Sie bei einer Erkältung einen Mundschutz tragen, um andere nicht anzustecken. Ich bin in Japan zum Beispiel zweimal in einem Bus gefahren, wo der erkältete Busfahrer einen Mundschutz trug.

Nicht auf offener Straße essen

Japaner essen normalerweise nicht auf offener Straße, sondern nur dort, wo extra ein Platz dafür vorgesehen ist, Eiscreme ausgenommen. Sie werden zum Beispiel im Zug viele Japaner ihr o-bento verzehren sehen, aber niemanden, der einen Big Mac im Laufen auf dem Bürgersteig isst. Ob diese Regel sinnvoll ist, mag jeder selbst entscheiden. Vielleicht bleiben so die Strassen und öffentlichen Verkehrsmittel sauberer?

Trinkgeld und Feilschen unerwünscht

Trinkgelder sind in Japan unüblich. Geben Sie es trotzdem, ernten Sie nur unverständliche und beschämte Blicke. Sie werden sich aber schnell daran gewöhnen, genau das zu bezahlen, was auf der Rechnung steht. Auch das Feilschen hilft nichts, Japaner gehen dann eher auf Distanz.

Wechselgeld sollten Sie nicht vor den Augen des Verkäufers nachzählen, das ist beschämend.

Sturköpfe machen sich unbeliebt

Wenn Sie stur auf Ihrem Recht bestehen, werden Sie merken, dass Sie so nicht weiterkommen. Japaner ziehen sich dann freundlich, aber bestimmt zurück. Bleiben Sie besser tolerant und kompromissbereit.